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Ausstellung “JASONISMUS”

  • Hinweis

  • Die Veranstaltung fand bereits statt.

  • Termin: Dienstag, den 30.04.2019 von 15.00 bis 18.00 Uhr

  • Zugänglichkeit: Informationen zur Zugänglichkeit sind in Planung.

Ausführliche Beschreibung

Malerei von Manfred Schirch (Jason) vom 1. März bis 30. April 2019:
“Liebe Kunstinteressierte, Freunde und Fremde,
im Namen von Jason möchte ich euch heute Abend aufs herzlichste Willkommen heißen zur neuesten Jasonismus-Vernissage.
Doch wer ist denn nun eigentlich dieser Jason?
Dies lässt sich folgendermaßen beantworten: ein bescheidenes, schaffenskräftiges Menschenkind, früher ein Dichter, ein Leipziger Blauer Reiter, zu Zeiten des Realsozialismus Werktätiger in verschiedensten Arbeitsfeldern, in neuerer Zeit Autodidakt, Kulturpädagoge und ehemals Kursleiter hier im Haus Steinstraße. Überdies ein Magier, der lediglich Leinwand, Spachtel, Pinsel und Ölfarben sowie die passende Musik als alchemistische Zutaten benötigt, um zu erschaffen, was ihr heute hier erblicken könnt. Doch bis es dazu kommen konnte, ist es ein langer Weg gewesen. Unter der DDR-Diktatur versuchte er vergeblich, die Öffentlichkeit zu erreichen. Die politische Wende, an der leider viele Künstlerkollegen scheiterten, brachte für ihn den Durchbruch. Auf einmal waren Ausstellungen in Gesamtdeutschland möglich, repressive Schranken, die lange vorher schon morsch waren, brachen nun endgültig weg. Doch der deutsche Westen war Jason nicht genug, es ging weiter mit Ausstellungen in den Niederlanden, Belgien und Luxemburg. Und nicht nur Ausstellungen: Live-Perfomances, Improvisationen aus Musik und Malerei auf großer Leinwand fanden statt.
Und so entwickelte sich allmählich der JASONISMUS.
Doch was ist nun wieder JASONISMUS?
Um euch die Furcht zu nehmen: Jasonismus ist nicht die Bezeichnung für eine abgedrehte Sekte oder postmoderne dogmatische Religion, zu der wir euch heute mit Feuer und Schwert zwangsbekehren wollen.
Es ist vielmehr eine ganz eigene, ja einzigartige Kunststilrichtung und Weltsicht. Eine Weltsicht, die sich dem Betrachter der Bilder nicht aufzwingt, sondern zu Entdeckungen und einer zwanglosen individuellen Innenschau einlädt.
Oft wird ja gefragt: Was will uns der Autor oder Künstler mit seinem Werk sagen?
Was SOLL der Betrachter sehen und interpretieren dürfen laut der Maßgabe des Künstlers?
Beim Jasonismus ist es ganz anders und ganz einfach: Die Message lautet: „Was ihr wollt, das sei!“
Man KANN Bilder voller Farbenpracht und Üppigkeit sehen, Melodien und epische Gesänge auf Leinwand gebannt. Man KANN vielleicht ein hoffnungsvolles Versprechen erblicken – doch ist es ein Ultimatives, oder das erfüllende Geschenk eines achtsamen, einsichtigen Augenblicks voller Güte und Mitgefühl? Vielleicht zeigt uns das eine oder andere Gemälde unsere eigene Verletzlichkeit UND unsere Stärken und verschütteten Fähigkeiten auf.
Unter Umständen kann man eintauchen und Stätten besuchen, die aus dem lebenden Felsen gehauen wurden von Riesen aus einem weit zurückliegenden, vergessenen Zeitalter. Vielleicht erkennt der eine oder andere für sich, das dem Chaos Ordnung innewohnt.
Oder das ein sich aufbäumendes Pferd, göttlichen Ursprungs und überlebensgroß, über die Black Hills hinwegfegt.
Die eine oder der andere könnte sich von einer gigantischen mechanischen Gottesanbeterin, härter und eisiger als Stahl, über die Ebenen einer fremden Welt gehetzt fühlen wie in einem Albtraum.
Jemand anderes vermag eine Geierschildkröte zu sehen, groß wie eine Stadt, die mit kalter technokratischer Effizienz Uran aus den Gebeinen der Erde wühlt. H. P. Lovecraft – Leser erblicken vielleicht einen der Großen Alten – ist es vielleicht sogar Chtulhu? – eingekerkert in seinem Gefängnis.
Oder entwickelt man gar Erbarmen für ein gebeugtes, in der Seele gebrochenes Biest, einbetoniert in Sand, Kalk und Blut, das den ihm auferlegten Fluch nicht brechen konnte?
Vielleicht vermag man sogar sterbliche, uralte Götter erblicken, auf immerdar einbalsamiert in blauen Kristall, weil keiner mehr lebt, der sich ihrer einstigen Pracht erinnert. Doch wir sind heute hier, wir leben, sind gespannt und neugierig!
Am Ende verhält es sich so, dass für jeden von uns ein Tor geöffnet wird. Ob wir es durchschreiten, diese Wahl überlässt uns der Künstler selbst.”
(Rede von Konstantin Richter zur Vernissage am 1. März 2019)